Scheinbesetzung in Solidarität mit der Liebig 34

Wir teilen ein Statement zur Scheinbesetzung des Hauses Glanzeile 16 in Salzburg am 9.10.2020.

147 leerstehende Häuser?

Sind Sie oder Menschen in Ihrem Bekanntenkreis betroffen von steigenden Mieten und steigenden Lebenshaltungskosten?

Bleibt Ihnen immer weniger Geld zum Leben?

Kennen Sie Menschen, die ihr Zuhause aufgeben mussten, weil sie es sich nicht mehr leisten konnten?

Haben Sie etwas dagegen?

Während immer mehr Menschen von Wohnungslosigkeit bedroht und betroffen sind, wird auf ihre Kosten mit Leerstand spekuliert. Wenige profitieren auf dem Rücken von Vielen.

Alleine in der Stadt Salzburg gibt es mehr als 1000 wohnungslose Menschen (Quelle: Caritas).

Demgegenüber stehen rund 147 Häuser und 10.000 Wohnungen leer (Quelle: Kurier).

Das heißt, nicht nur alle Wohnungslosen aus Salzburg, sondern auch eine große Zahl weiterer wohnungsloser Menschen könnte problemlos hier unterkommen.

Nachdem zum Beispiel die katastrophale Unterbringungssituation in Moria in einem Großbrand gipfelte, sind dort weiterhin 13.000 Menschen ohne Wohnmöglichkeit.

Dies ist nur eines von vielen Beispielen.

Das Haus in der Rechten Glanzeile 16 in Salzburg ist ein schönes Haus. Die vielen Zimmer und der große Garten könnten auf vielfaeltige Weise genutzt werden und dazu beitragen, Salzburg zu einer lebenswerteren Stadt für alle zu machen. Wohnraum für 10 Menschen ist hier vorhanden.

Stattdessen soll es abgerissen werden.

Wir haben uns entschlossen, diese Zustaende nicht weiter hinzunehmen. Mit dieser Besetzung wollen wir in sicht- und greifbarer Weise auf die Problematik hinweisen.

Eine dauerhafte Besetzung braucht jedoch vielfaeltige Akte der Solidaritaet. Sie sollte offen für die Teilhabe aller interessierter Menschen und bereichernd für die Nachbar:innenschaft sein.

Aufgrund der Covid-Pandemie sind größere Solidaritätsbekundungen momentan schwer möglich.

Also haben wir uns für die Aktionsform der Scheinbesetzung entschieden. Damit bringen wir unser Anliegen vor, ohne die persönliche Gesundheit beteiligter Menschen zu gefährden.

In diesem Sinne: bildet Banden, nehmt euch Häuser, squat the world!

P.S.: Grüße gehen raus an die Hetzgasse in Wien, die Ludwigstrasse 71 in Leipzig, die Kapuze in Innsbruck und ganz besonders an die Liebigstraße 34 in Berlin, die heute geräumt werden sollte (und hoffentlich nicht wurde!).

Ansicht des Hauses, aus den Fenstern hängt ein Transparent mit der Aufschrift "Solidarität mit der Liebig 34" und einem Anarcha-queer-feministischen Symbol