La Canadiense

Normalarbeitszeit. Ein in sich bereits schwieriger Begriff. Abgesehen von der (wie üblich) unpassenden und irreführenden Verwendung der Zuschreibeung ‚Normal‘, existieren zahlreiche Ausnahmen, Sonderregelungen und Schikanen die es erschweren einen allgemein gültigen Wert dingfest zu machen. Per Gesetz orientieren sich Arbeitgeber*innen und Arbeitnehmer*innen in einigen Ländern heute an einem 8-Stunden Tag. Doch wie kam es dazu? Daran wollen wir im Folgenden erinnern.

Der Streik beginnt

Alles begann Ende Januar 1919 in einem Energieunternehmen in Barcelona namens ‚Riegos y Fuerza del Ebro‘, einer Tochtergesellschaft eines Konzerns mit der ‚Canadian Bank of Commerce of Toronto‘ als Hauptaktionär. Acht Angestellten der Buchhaltung wurde ein neuer Arbeitsvertrag vorgelegt durch den sie von einem unbefristeten in ein befristetes Anstellungsverhältnis bei gleichzeitiger Reduktion des Lohnes wechseln würden. Alle acht lehnten dieses ‚Angebot‘ ab und wurden daraufhin entlassen.

Am 5. Februar traten die verbliebenen Angestellten der Buchhaltungsabteilung in einen Solidaritätsstreik. Sie forderten die Wiedereinstellung ihrer Kollegen und Koleginnen und wandten sich an den Gouverneur mit der Bitte um Vermittlung. Dieser versprach zu intervenieren, wenn die Arbeiter*innen zur Arbeit zurückkehrten. Als sie jedoch am nächsten Tag am Arbeitsplatz erschienen, wurde ihnen der Zugang zu den Unternehmensräumlichkeiten verwehrt mit der Begründung dass nun die gesamte Belegschaft der Buchhaltung entlassen sei. Durchgesetzt wurde dieses Betretungsverbot von der Polizei die direkt dem Zivilgouverneur unterstellt war. (Hier tritt der Staat also als Vollstrecker kapitalistischer Interessen auf, nachdem er seinen Bürgern eine Interessensvertretung zugesichert hat. Darüber hinaus offenbart die formale Legitimität dieser Vorgehensweise eine Klassennatur des Rechts entlang derer sich Institutionen wie die Polizei konstituieren.)

Die entlassenen Angestellten wandten sich an die CNT, einer anarcho-syndikalistischen Gewerkschaft, die sich in den Konflikt einschaltete. Ein Streikkomitee wurde gebildet. Bereits 3 Tage später weitete sich der Streik aus. Fast die gesamte Belegschaft von ‚La Canadiensa‘ (‚Die Kanadische‘ wie der Mutterkonzern des ortsansässigen Energieunternehmens umgangssprachlich genannt wurde.) legte die Arbeit nieder. Die Stromableser und Kassierer verweigerten den Dienst. Arbeiter*innen der ‚Energía Eléctrica de Cataluña‘ schlossen sich aus Solidarität an. Die Forderungen waren klar. Wiedereinstellung aller Entlassenen, Lohnerhöhungen, Entlassung der Streikbrecher und keine Repressalien.

Am 17. Februar schloß sich auch der Textilsektor dem Streik an. 80 Prozent der Textilarbeiter*innen Barcelonas legten die Arbeit nieder, nicht nur aus Solidarität mit den Kollegen bei La Canadiensa, sondern mit eigenen Forderungen. Achtstundentag, Halbtagsarbeit am Samstag, Abschaffung der Akkordarbeit, volle Lohnzahlung im Krankheitsfall, Arbeitsverbot für unter 14-Jährige und volle Wochenlohnzahlung sobald die Arbeitswoche begonnen hatte. Was als Arbeitskampf in einem einzigen Unternehmen begonnen hatte, entwickelte sich zu einer stadtweiten Bewegung.

Am 21. Februar rief die CNT den Generalstreik im gesamten Energiesektor aus. Alle Tochterunternehmen von La Canadiensa, die ‚Catalana de Gas‘, die ‚Ferrocarril de Sarrià aBarcelona‘ und die ‚Societat General d’Aigües‘ wurden bestreikt. Barcelona versank im Dunkeln. Die Straßenbahnen standen still.

Die Eskalation

In den folgenden Tagen Ende Februar 1919 weiteten sich die Streikmaßnahmen aus. Betriebsanlagen wurden besetzt, Streikende übernahmen zunehmend die Kontrolle über die Produktionsmittel in der Versorgung mit Gas, Wasser und Elektrizität. Die Regierung setzte durch die Verfassung garantierte Rechte wie dem Versammlungsrecht, Unverletzlichkeit der Wohnung, Bewegungsfreiheit, Redefreiheit und Vereinigungsrecht aus. (Der Staat begreift sich hier als legitimen Garant ‚der öffentlichen Ordnung‘ und legitimiert sein Vorgehen mit der Verpflichtung diese aufrecht zu erhalten. Eine Ordnung in der Kapitalinteressen einzelner nicht nur Streik- und Arbeitsrechte aller definieren und begrenzen, sondern grundlegende Bürgerrechte aushebeln.)

Diese Vorgehensweise soll nicht als reine Machtdemonstration verstanden werden, zu diesem Zeitpunkt ging es bereits um die letzten noch verbliebenen Möglichkeiten Einfluß auf die lokale und regionale Grundversorgung zu nehmen. Konkret sollte dadurch wohl verhindert werden dass die gesamte Wasserversorgung inklusive eines Staudamms im Westen Kataloniens unter die Kontrolle der Streikbewegung fallen würde.

Während Regierung und Unternehmen versuchten die Streikbewegung physisch im öffentlichen und privaten Raum einzuschränken, machten sich Arbeiter*innen der Druckereien daran ihre Kontrolle über das was wir heute als Informationsdomäne bezeichnen würden auszuspielen. Regierungsbeschlüsse und gegen die Interessen der Streikenden gerichtete Pressemeldungen wurden entweder gar nicht gedruckt, oder absichtlich mit Fehlern versehen. Ausgaben von Zeitungen erschienen lückenhaft oder überhaupt nicht.

Am 7. März griffen die Eisenbahner*innen in den Streik ein. Bis Mitte März wuchs die Streikbewegung auf über 100.000 Menschen an. Ein Großteil der katalanischen Industrie kam zum Erliegen. Die Straßen Barcelonas waren dunkel, in den Fabriken wurde nicht gearbeitet, die Züge standen still.

Da keine Form der bisher angewandten Repression und Verfolgung eine nachhaltige Wirkung zeigte um dem Streik Einhalt zu gebieten, musste nun ein neuer Ansatz her. Eine militärische Lösung. Bekanntlich zeichnen sich Heere und militärische Formationen auch als nie endenwollender Quell ausgewogener Konfliktlösungsstrategien aus. Insbesondere dann wenn ‚der Gegner‘ aus Zivilisten besteht. Also wurde erstmal das Kriegsrecht ausgerufen. Es wurde eine Einberufungsbefehl erlassen. Alle streikenden Arbeiter sollten eingezogen werden um sie so dem Streik zu entziehen unter einer Strafdrohung von 4 Jahren bei nicht Befolgung. Nur wenige folgten diesem Befehl, Tausende wurden im Castell de Montjuïc und den Kriegsschiffen die im Hafen vor Anker lagen inhaftiert.

Doch trotz der zunehmenden Gewalt, der Verhaftungen, der Drohungen und des zunehmenden Hungers in der Stadt hielt der Streik. Die Solidarität bröckelte nicht. Die UGT drohte damit, den Streik auf ganz Spanien auszuweiten, falls keine Lösung gefunden würde.

Der Sieg …

An diesem Punkt setzen Personalrochaden in Regierungs- und Verwaltungsposten ein. Sogenannte hardliner werden durch scheinbar liberalere Politiker ersetzt. Retrospektiv handelte es sich dabei aber eher um ‚window dressing‘ wie sich später zeigen wird. Trotzdem. Mit den neuen Vertretern konnte ein Vorschlag zur Beilegung des Streiks erarbeitet werden.

  • Der 8-Stunden-Tag: Spanien wurde das erste Land, das landesweit die Achtstundenschicht einführte
  • Lohnerhöhungen: Durchschnittlich 20-30% mehr Lohn für die Arbeiter*innen der Energiebranche
  • Wiedereinstellung: Alle entlassenen Streikenden mussten wieder eingestellt werden
  • Anerkennung der Gewerkschaften: De facto Anerkennung der CNT als Verhandlungspartner
  • Freilassung: Etwa 3.000 inhaftierte Arbeiter*innen sollten freigelassen werden

Am 19. März kam es zu der entscheidenden Abstimmung unter den Streikenden um dieser Einigung zuzustimmen und damit dem Streik ein Ende zu setzen. 20-25.000 Arbeiter*innen nahmen an dieser Versammlung Teil. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich noch einige Arbeiter*innen in Gefangenschaft. Das vorliegende Angebot wurde letztendlich mehrheitlich von der Versammlung angenommen unter der Bedingung dass alle Inhaftierten innerhalb von 3 Tagen frei zu lassen seien.

… oder doch nicht?

5 Tage später, am 24. März, weigerte sich die Regierung immer noch wie vereinbart alle Inhaftierten frei zu lassen weshalb der Generalstreik erneut ausgerufen wurde. Dieses Mal gelang es dem Militär allerdings die Kontrolle über die Straßen zu behaupten. Nationalistische Paramilitärs, das ‚Sometent‘, zogen bewaffnet von der Armee durch die Stadt, übernahmenen die lokale Versorgung und verhafteten Arbeiter*innen. 10-tausende Arbeiter*innen waren bereits wieder an ihren Arbeitsplatz zurück gekehrt. Die Basis die den Streik bisher so erfolgreich machte war verloren gegangen und konnte nicht wieder erlangt werden.
Die Bourgeoisie, Kapitalisten, die sich weiter militarisiert und dem Heer angenähert hatten errungen dadurch zunehmend politischen Einfluß. Einfluß der sich später auch in der Unterstützung des Coup von Primo de Rivera 1923 und jenem von 1936 bemerkbar machen sollte. In den Jahren des Pistolerismo zwischen 1919 und 1923 heuerten Unternehmer*innen bewaffnete an um Gewerkschafter*innen einzuschüchtern, aus den Betrieben zu drängen oder zu attackieren. Der backlash war also militarisiert, brutal, nationalistisch und andauernd.

Die gesetzliche Regelung zum 8-Stundentag blieb allerdings bestehen und zählt neben Dingen wie bezahltem Urlaub, Krankenversicherungen, Renten- und Arbeitslosenversicherungen zu den zahlreichen Verbesserungen die die CNT in ihrem klassenbewusstem Arbeitskampf erzwingen konnte. Zeit sich zu erinnern welcher große Aufwand für Veränderung wie diese nötig war und weiterhin ist, und dass dieser Weg weiter zu gehen ist.

Quellen

Solidarität mit Maja

Vor gut einem Jahr, am 28.06.2024, wird Maja in den frühen Morgenstunden von deutschen Strafverfolgungsbehörden über eine Kooperation mit österreichischen an Ungarn ausgeliefert.

Diese Aktion war lange vorbereitet und es wurde an Mitteln nicht gespart. Fahren in Kolonne, Straßensperren, ein Flug mit einem Hubschrauber, mit automatischen Waffen ausgerüstete Cops die einen Flugplatz umstellen, Sack über den Kopf, Helm drauf. Alles über Staatsgrenzen hinweg koordiniert. Die Wahl der Mittel zur Abschiebung wurde unter anderem mit einer möglichen Störung durch Solidaritätsbekundungen begründet, für die sogar die Polizei selbst nach eigener Aussage keine Hinweise hatte. Der Zeitpunkt war scheinbar nicht zufällig gewählt um eine legale Bekämpfung der Auslieferung zu verunmöglichen.

Es wurden Fakten geschaffen, die die Gewaltentrennung de facto aushebeln. Da sich zusätzlich die Fähigkeit derartige Aktionen, zu planen, vorzubereiten und durchzuführen nicht einfach so zufällig ergibt, verurteilen wir dieses Vorgehen als einem Polizeistaat strukturell Vorschub leistend.

All das muss auch involvierten österreichischen Behörden aufgrund der Öffentlichkeit des Falles und der bereits langjährigen Kooperation mit der deutschen Exekutive bewusst gewesen sein. Weshalb wir sie in diese Verurteilung der Vorgänge einschließen.

Nun muss die non-binäre Person Maja Haftbedingungen ungarischer Knäste ertragen. Ungeziefer, Isolationshaft, Schlafentzug durch stündliche Kontrollen, Leibesvisitationen, Videoüberwachung in der Zelle, Handschellen innerhalb und außerhalb der Zelle, Leine vor Gericht. Maßnahmen um Maja zu brechen.

Als Widerstand gegen diese menschenunwürdigen Haftbedingungen wählte Maja das Mittel des Hungerstreiks. Wir unterstützen diesen mutigen Schritt. Nach Beendigung des Hungerstreiks wird dieser nun als mangelnder Wille zur Unterwerfung verklärt und als Begründung für eine erweiterte Isolationshaft benutzt.

Das dokumentiert unserer Meinung den Charakter dieses politisch inszenierten Schau- und Racheprozesses.

Wir schließen uns der Forderung Majas an nach Deutschland zurück überstellt zu werden, dass Maja zu ihrer Familie zurück kehren kann und dass Maja von zu Hause am Verfahren teilnehmen kann.

Weitere Infos zu Maja und zum Budapest Komplex allgemein findet ihr unter:

https://basc.news

#freemaja #freeallantifas
6 Min.

Hausbesetzung in Salzburg

Aktivist:innen haben heute das leerstehende Haus in der Imbergstraße 3/Steingasse 24 besetzt. Grund der Besetzung ist die verfehlte Wohnungspolitik der rechtsextremen Salzburger Landesregierung und eine immer weitere Zuspitzung der Wohnungskrise im Land und vorallem in der Stadt Salzburg. Mitlerweile ist Salzburg was Mieten betrifft das teuerste Bundesland Österreichs.

Aktivist:innen haben heute das leerstehende Haus in der Imbergstraße 3/Steingasse 24 besetzt. Grund der Besetzung ist die verfehlte Wohnungspolitik der rechtsextremen Salzburger Landesregierung und eine immer weitere Zuspitzung der Wohnungskrise im Land und vorallem in der Stadt Salzburg. Mitlerweile ist Salzburg was Mieten betrifft das teuerste Bundesland Österreichs.

Das Haus in der Imbergstraße, das früher Salzburgs ältestes Bordell war, steht seit 2020 leer und soll, laut Salzburger Nachrichten, in ein Microhotel umgewandelt werden. Auch Salzburg ist vom Problem der mangelnden Leerstands-Umwidmungen in Wohnraum massiv betroffen. Das letzte was Salzburg braucht, sind neue Hotels.

Hierzu die Besetzerin Lena Bauer: „Wir haben uns heute das Haus in der Salzburger Innenstadt angeeignet, weil wir wissen, dass eine andere Wohnungspolitik nur selbst gemacht werden kann. Seit Jahren wird die Stadt immer weiter aufgewertet, Mieten sind unleistbar geworden, Menschen werden aus der Stadt verdrängt und unkommerzielle Räume sind Mangelwahre. Hier sagen wir – eine andere Stadt müssen wir selbst erkämpfen. Denn was für ein Verbrechen ist schon eine Besetzung, wenn Menschen wegen der prekären Wohnsituation auf der Straße leben müssen.“

Vor nun einem Jahr hat die rechtsextreme Landesregierung von ÖVP und FPÖ die Macht übernommen und seitdem hat sich die Situation kein wenig gebessert. Ganz im Gegenteil. Salzburg ist österreichweit das teuerste Pflaster. Die eingeführte Leerstandsabgabe ist eine Farce und der Bund hat den Ländern die Möglichkeit in die Hand gegeben eigene Regelungen zu treffen. Die Landesregierung weigert sich davon Gebrauch zu machen und effektiv zu handeln.

Dazu Lena Bauer: „Wärend sich die Politiker:innen weiter Geld in die Tasche schaufeln, ist für viele Menschen das Wohnen ein Luxus geworden. Viele Prekarisierte, Migrantisierte, Alleinerziehende, Studierende und Arbeiter:innen können sich faktisch das Leben in dieser Stadt nicht mehr leisten. Wir werden uns nicht auf die leeren Versprechen der Politiker:innen verlassen, sondern nehmen uns was uns zusteht. Ab jetzt werden wir die Parteien vor uns hertreiben und ihnen zeigen, dass wir nicht aufhören bis wir eine Stadt für alle umgesetzt haben.“

Die Räume des Gebäudes sollen in einem solidarischen, unkomerziellen Projekt aufgehen. Geplant ist hier, einen Ort zu schaffen, in dem verschiedene Menschen zusammenkommen können, ohne dem Zwang zu konsumieren. Dazu Lena Bauer: „In leerstehenden Räumlichkeiten und Gebäuden wollen wir einen Ort für alle, abseits von Einkommen, Herkunft oder anderen Diskriminierungsmerkmalen, schaffen, indem wir im Kleinen ein anderes Zusammenleben und eine andere Form von Stadt ausprobieren. So soll es hier beispielsweise regelmäßig gemeinsames Kochen und Essen auf Spendenbasis geben. Deshalb sagen wir: Das ist unser Haus, schmeißt doch endlich Haslauer und Svazek aus Salzburg raus“

Informationen zu Leerstand:

Leerstand

ist kein Zufall. Sondern eine Strategie der Immobilienwirtschaft. Diese Strategie ist Teil einer spekulativen Logik, die Profite vor Menschen stellt und Entmietung und Verfall von Häusern wirtschaftlich attraktiver macht als ihre sinnvolle Nutzung. Leerstehende Gebäude warten dann oft jahrelang auf Umnutzung, Abriss oder Neubau.
ist sinnlos.Nicht für die Investor:innen, die auf höhere Profite spekulieren, jedoch für die Bewohner:innen dieser Stadt. Denn leerstehende Räume sind immer ungenutzte Wohn-, Kultur- und Gewerberäume. Dabei sind gerade diese Räume Mangelware in Salzburg.
ist existenzbedrohend. Weil es so viele Menschen gibt, die auf der Straße oder in Notunterkünften leben müssen. Weil so viele Menschen aus ihren Wohnungen verdrängt, zwangsgeräumt und zum Umzug gezwungen werden. Und weil so viele Menschen keinen lebenswerten Wohnraum finden oder Räume, in denen sie sich ohne Konsumzwang aufhalten können.
ist unökologisch. Der Zyklus von Leerstand, Verfall, Abriss und Neubau, den viele Häuser durchlaufen, bedeutet eine massive Verschwendung von Ressourcen. Nicht nur wird die im Haus bereits gebundene graue Energie nicht mehr sinnvoll und nachhaltig verwendet, sie wird sogar dem Verfall überlassen, um schließlich durch den Aufwand weiterer Energie das Bestandsgebäude abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen. Diesen verschwenderischen Umgang mit Ressourcen können wir uns angesichts der Klimakrise nicht leisten. (Österreich ist EU-weit Spitzenreiter:in im Bodenverbrauch!)
betrifft (fast) alle. Jeder Raum, der ungenutzt bleibt, ist ein weiterer Angriff auf alle, die vom Reichtum ausgeschlossen werden. Deswegen müssen wir etwas gegen Leerstand tun. Ihn aufdecken, indem wir über ihn diskutieren, ihn problematisieren, ihn sichtbar machen, ihn markieren, ihn aneignen und ihn zukünftig verhindern, um Stadt anders machen zu können. Ziel einer solidarischen Stadt muss sein: Investor:innen verdrängen, nicht Bewohner:innen.

Wir wollen leben statt Leerstand!

Das bedeutet für uns, wir wollen eine Stadt, in der es menschenwürdigen und bezahlbaren Wohnraum für alle gibt und in der nicht-kommerzielle Freiräume und soziale Zentren gefördert werden. Wir wollen eine Stadt, an deren Gestaltung alle ihre Bewohner:innen teilhaben können, auch wenn sie nicht reich sind. Wir wollen eine Stadt der Solidarität statt des Wettkampfs. Lasst uns Leerstand nicht weiter hinnehmen!

veröffentlicht am 17. Juni 2024

https://emrawi.org/?Hausbesetzung-in-Salzburg-3150

Solidarische Grüßen nach Grünheide aus Salzburg. Stop Tesla!

Gestern, zum letzten Tag der Aktionstage gegen die Gigafabrik von Tesla im deutschen Grünheide, haben Aktivist:innen in Salzburg den Tesla-Standort in der Aignerstraße mit einem Transparent verschönert.

Solidarische Grüßen nach Grünheide aus Salzburg. Tesla stoppen!
Solidarische Grüßen nach Grünheide aus Salzburg. Tesla stoppen!

Tesla plant die Ausweitung der seit 2022 bestehenden Fabrik in Grünheide, Brandenburg, zu einer Gigafabrik. Dies hätte massive Auwirkungen auf die Natur und die Bevölkerung vor Ort. Die Fabrik wird Mengen an Grund- und damit Trinkwasser vor Ort abziehen, was zu Trinkwasserrationierung und einer erhöhte Gefahr für Waldbrände führt – das in einer der trockensten und wasserärmsten Regionen Deutschlands. Wir sind der Meinung, dass Wasser ein Grundrecht ist und nicht für die Profitinteressen von Unternehmen geopfert werden darf.

Während E-Autos als vermeintlich ökologisch-individuelle Alternative hin zu einem grünen Kapitalismus gefeiert werden, wird dabei gerne ausgeblendet, dass der Rohstoff- und Energieverbrauch, durch seltene Erden wie Litium, zu massiver Ausbeutung von Mensch und Natur im globalen Süden führt. Wir brauchen keinen grün angestrichenen Kapitalismus, kein Greenwashing der Elektroautomobilbranche, kein Festhalten am Individualverkehr und keine Firmen, die Abermillionen Menschen ausbeuten – wir brauchen eine wirskame Verkehrswende für alle! Das bedeutet autofreie Innenstädte, Fahräder vor Autos, einen kostenlosen Nah- und Fernverkehr für alle, sowie kreative und kollektive Lösungen für den ländlichen Raum.
Auch das Argument, dass Tesla Arbeitsplätze und einen wirtschaftlichen Aufstieg für die Region bietet, lassen wir nicht gelten. Viel zu oft haben wir schon gesehen, wie einfach Elon Musk Mitarbeitende entlässt und wie er Tür und Tor für Hetze und Hass öffnet. Gerade erst hat er einen der bekanntesten Rechtsextremen auf seiner Plattform X (vormals Twitter) eigenmächtig frei geschaltet. Der generierte Profit, den ein Tesla-Standort mit sich bringt, wird wie immer nicht den Arbeiter:innen oder den dort lebenden Menschen zu Gute kommen, sondern einigen wenigen, die bereits in ihrem Reichtum baden.

Wir solidarisieren uns mit den Protesten/Aktionen in Brandenburg, denn der Kampf für Klimagerechtigkeit und gegen das ausbeuterische neoliberale System muss immer international gedacht werden.

Warum ist uns ein antikapitalistischer 1. Mai wichtig

Wenn wir* uns den 1. Mai in Salzburg anschauen, sehen wir seit Jahren immer dieselben Bilder. Wir sehen eine Demo, die sich „kämpferisch“ und „laut“ gibt, und dabei doch jedes Jahr dieselben alten Rituale, leeren Phrasen und ins Leere gehende Forderungen ausgräbt. Wir sehen eine KPÖ, die die Demo zunehmend vereinnahmt und zu einer Wahlkampfveranstaltung umbaut. Und wir sehen eine Umdeutung des ursprünglich anarchistisch motivierten „Kampftag der Arbeiter_innen“ zu einem „Tag der Arbeit“**.

Von daher haben wir keinerlei Interesse daran, Teil einer Demonstration zu sein, bei deren Teilnahme mensch als Teil des KPÖ-Wahlspektakels wahrgenommen wird und indirekt Wahlwerbung für Berufspolitiker_innen leistet. Auch halten wir nichts von reformistischen Forderungen, die den Kapitalismus lediglich „ein bisschen besser“ machen wollen. Wir wollen eine Welt ohne Kapitalismus!

Natürlich erwarten wir nicht, dass wir mit einer Demo diesem Ziel ein großes Stück näherkommen. Wir wollen aber trotzdem zeigen, dass es auch in Salzburg selbstorganisierte, kapitalismus- und herrschaftskritische Initiativen und Bewegungen gibt, die sich jenseits von etablierten Parteien und reformistischen Gewerkschaften positionieren. Und wir wollen den Tag dafür nutzen, uns gegen die Idealisierung von Arbeit zu stellen.

Da bei den bisherigen Demonstrationen nur wenig Raum für die Auseinandersetzung mit wichtigen Themen war, wollen wir mit dieser Veranstaltung kapitalismuskritischen Gruppen eine Bühne für ihre Themen geben, die über die üblichen kurzen Redebeiträge hinausgeht. Geplant ist neben einer Demonstration ein Straßenfest im Kurgarten mit veganem Essen, Infoständen und Musik. Außerdem soll es beim Straßenfest die Möglichkeit geben sich zu vernetzen und die eigenen politischen Anliegen zu diskutieren und zu bewerben.

Wir wollen die Demo und das Straßenfest offen für alle gestalten, die daran mitwirken oder teilnehmen wollen, es ist uns aber wichtig eine gemeinsame Wertegrundlage zu teilen. Wir stehen für Feminismus und Ablehnung jeglicher Diskriminierung und Ausbeutung, außerdem stellen wir uns gegen die Teilnahme von politischen Parteien und das Zeigen von Nationalflaggen.

Die Demo beginnt um 11 Uhr beim Hauptbahnhof, Ausgang Schallmoss/Lastenstraße. Das Straßenfest findet danach im Kurgarten vor dem Kongresshaus statt.

* Wir sind eine lose Gruppe, die sich zusammengefunden hat, um diese Veranstaltung zu organisieren. Die einzelnen Mitglieder sind in verschiedenen Kollektiven aktiv.

** Durch die Umdeutung vom einem Kampftag der Arbeiter_innen zu einem Feiertag für die Arbeit wird am 1. Mai die Lohnarbeit im kapitalistischen System verherrlicht und von den sozialen Kämpfen der Arbeiter_innen abgelenkt.

Hier gehts zum Kalendereintrag

Support-Phone für people on the move in Salzburg

*english below*
Support-Phone für people on the move in Salzburg

Wir sind ein neu gegründetes Kollektiv, das sich die praktische Unterstützung von people on the move, Personen auf der Flucht und Asylsuchenden in der Stadt Salzburg und Umgebung zum Ziel gemacht hat.
Mit dem Support-Phone wollen wir people on the move eine einfach erreichbare Ansprechmöglichkeit für verschiedene Situationen zur Verfügung stellen, unabhängig davon ob sie im Moment in einem Asylzentrum untergebracht sind, sich nur kurz in Salzburg aufhalten oder gerade auf dem Weg dorthin sind.

• Wir bieten direkte Unterstützung bei akuten Problemen wie der Suche nach einem kurzfristigen Schlafplatz oder dem Beschaffen von Kleidung und anderen Dingen des täglichen Bedarfs an.

• Auf Wunsch begleiten wir Menschen, die einen Asylantrag stellen wollen.

• Außerdem wissen wir, dass es an der Grenze zu Deutschland immer wieder zu Pushbacks durch die deutsche Polizei kommt. Wir wollen Menschen, die von dieser illegalen Praxis betroffen sind, eine erste Kontaktmöglichkeit bieten und mit deren Einverständnis Berichte und Zeugenaussagen über die Geschehnisse an der Grenze sammeln.

Grundlegend für jede Solidarität ist für uns das Schaffen von Vertrauen. Wir sind immer parteiisch mit den Personen, die mit uns Kontakt aufnehmen, und handeln nur in Absprache mit diesen! Jeder Kontakt wird von uns streng vertraulich behandelt.

Da sich unsere Gruppe gerade erst im Aufbau befindet, können wir selbst noch keine Rechtsberatung anbieten. Auch die Vermittlung von medizinischer Versorgung für Personen ohne Dokumente ist leider nicht möglich.

Wenn ihr in Kontakt mit people on the move in Salzburg oder anderswo steht, gebt diese Nummer weiter und verbreitet auch diesen Aufruf gerne! Bei Fragen sind wir unter der Nummer immer erreichbar.

0043 688 6481 1929

Auch erreichbar über WhatsApp, Signal und Telegram

*english*
Support-Phone for people on the move in Salzburg

We are a newly established collective which aims to give direct support to people on the move, refugees and asylumseekers in Salzburg.
With the Support-Phone we want to offer people on the move an easily accessible contact option for different situations, no matter if they are currently located in an asylum-center in Salzburg, are on their way to the city or will only stay for a short time.

• We offer direct support for acute problems, like finding a place to sleep for a short time or getting clothes or other necessitys.

• On request we accompany people who want to make an asylum-application.

• We also know that the german police regularly carrys out pushbacks at the austrian-german border. We want to give people who are affected by this illegal practice a first contact-option. With their permissen, we document witness-testimonys of the incidents at the border.

For us, every solidarity is based on trust! We always take the side of the people who contact us, and we only act in consultation with them! Every contact will be treated in strict confidence.

Because our group is still in its beginnings, we can not offer any legal consultation. Unfortunately, it is also not possible to arrange medical care for people without documents.

If you are in contact with people on the move in Salzburg or elsewhere, share this number and spread the information! For questions we are always accessible under this number.

0043 688 6481 1929

Unsere Szene liegt uns am Herzen

Hallo da draußen!
Viele von euch haben sicher schon bemerkt, dass es letztes Jahr von unserer Seite ein bisschen ruhiger geworden ist als bisher. Wir würden hier gerne die Gründe und einige Gedanken dazu mit euch teilen.

Die vergangenen Jahre haben wir fast monatlich Shows veranstaltet. Dafür haben wir inzwischen leider einfach nicht mehr die Kapazitäten. Einige von uns leben (zeitweise) gar nicht mehr in Sbg, andere Aktivitäten und politische Arbeit fordern mehr Ressourcen, Jobs und Uni fressen natürlich auch zu viel Zeit. Das ist alles soweit nichts außergewöhnliches.

Dann kam Covid, alles scheiße, brauchen wir nicht näher drauf eingehen. Die Zeit danach sah es erstmal so aus als würden alles wieder so laufen wie davor, die Leute hatten Bock auf Konzerte, jetzt erst recht. Aber mit der Zeit wurde immer deutlicher, dass sich etwas verändert hatte. Tendenziell immer weniger Menschen bei Shows, teilweise nur eine Handvoll, obwohl bei der Organisation und Bewerbung nichts anders gemacht wurde als sonst. Mit dieser Entwicklung sind wir auch nicht allein, wir haben ganz ähnliche Sachen von Veranstalter_innen aus verschiedensten Kontexten gehört.
Das, in Verbindung mit steigenden Kosten für Locations und Bands macht es für eine Bookingcrew ohne finanzielle Mittel auf Dauer natürlich zunehmend schwieriger.

Auf Salzburg bezogen haben wir außerdem das Gefühl, das das Interesse und auch teilweise das Verständnis für DIY, bzw. die DIY-Punkszene abgenommen haben. Die wenigen Projekte, die es noch gibt, sind alle schon ein paar Jahre alt, neues kommt nicht nach. Oft fühlt es sich eher nach „Pflichterfüllung“ für die eigene „Szene“ an, als wirkliche Begeisterung für eine Sache. Ideenlosigkeit und Zynismus statt Ausprobieren und Kreativität.

All das schafft für uns eine Situation, in der wir einserseits nicht so weitermachen können, wie wir das vielleicht gern würden, andererseits auch manchmal nicht genau wissen, ob das überhaupt Sinn machen würde. Deswegen wirds in nächster Zeit zwar natürlich immer noch unser Festival und ein paar besondere Shows geben, aber ansonsten werden wir unsere Energie eher in andere Projekte stecken.

Weil uns unsere Szene aber trotzdem immer noch sehr am Herzen liegt und wir diese Entwicklungen ziemlich scheiße finden, wollen wir die Gelegenheit nutzen und fragen euch alle, Bands, Veranstalter_innen, Konzertbesucher_innen, aktive Szenemenschen: Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Läuft es bei euch anders? Besser? Schlechter? Habt ihr vielleicht Ideen, wie wir gemeinsam solchen Entwicklungen begegnen können? Lasst es uns wissen, tauscht euch gegenseitig darüber aus!

Love supreme
eure Pestspiele-Crew

Bandcamp / Instagram / Facebook / pestspiele-booking [at] riseup.net

 

Wir müssen unser Open-Air am 7.7.2023 absagen.

Liebe Leute!

Es entsetzt aber überrascht uns nicht, dass die Stadt Salzburg und sämtliche Behörden uns leider sehr kurzfristig einen Strich durch die Rechnung gemacht haben. Aufgrund von Einzelheiten wurde es uns nicht gestattet, die bereits angemeldete Kundgebung wirklich umzusetzen. Es wurde nicht nur immens viel Planungsarbeit und Kapazitäten in die Organisation gesteckt, sondern auch eine Menge Hoffnung, um Subkultur endlich den Raum in der Stadt Salzburg zu ermöglichen, der ihr zusteht. Umso wütender, trauriger und vor allem hoffnungsloser macht es alle Beteiligten, dass wir immer und immer wieder eines bestimmten Grundsatzes belehrt werden, der sich wohl durch die ganze Stadt Salzburg zieht:
Es wird nicht nur kein Platz für Subkultur geschaffen, sondern sie wird auch systematisch von Verwaltungen und Behörden verdrängt und sabotiert. Es ist nicht nur eine Schande, sondern auch verdammt peinlich und ein absolut krankes Machtspielchen, auf welches wir (das Zapp-Booking Kollektiv und viele Unterstützer*innen) nicht vorbereitet waren.
Also hiermit nochmal offiziell:
Wir müssen unser Open-Air am 7.7.2023 absagen.

Anarchistischer 1. Mai in Salzburg

Ca. 50-60 Personen waren heute in Salzburg bei der anarchistischen 1. Mai Demo auf der Strasse. Es gab Redebeitraege zur Geschichte des 1. Mai als Kampftag der arbeitenden Klasse und zur Kritik am Kapitalismus. Nach der Demo fand im Kurgarten ein kleines Strassenfest statt und es wurde ein Solifoto fuers AZ Wuppertal aufgenommen.

http://dvqlamnbbzli62qfyt5faspxunueqdxc4csrslhcp2z3haiflnrn6dqd.onion/node/275922

AZ Gathe bleibt!

Solidarische Grüße vom anarchistischen 1. Mai in Salzburg nach Wuppertal! AZ Gathe bleibt!

http://dvqlamnbbzli62qfyt5faspxunueqdxc4csrslhcp2z3haiflnrn6dqd.onion/node/275924

 

Grüße in die JA Linz

Liebe Grüße aus Salzburg an die 5 Angeklagten, die wegen den sogenannten Halloween-Krawallen in Linz in U-Haft sitzen.

Wir kennen die Leute nicht, die zu Halloween in der Landstraße Böller geschossen haben. Wir wissen nicht, was die genauen Gründe waren: Vielleicht Langeweile. Vielleicht Frustration über das mehr oder weniger elende und unterdrückte Leben als Teil der arbeitenden Klasse. Vielleicht Wut auf die österreichische Gesellschaft oder den Staat.
Vielleicht eine Mischung aus all dem. Vielleicht nichts davon.
Was auch immer ihre Gründe waren: Uns fallen viele gute Gründe ein, Böller durch die Innenstadt zu schmeißen und die Cops anzugreifen.
Wir für unseren Teil sind nämlich gelangweilt, frustriert und wütend über die Zustände, in denen wir leben.
Deswegen ist es uns auch egal, ob die Angeklagten wirklich Böller auf Cops geworfen haben oder nicht.
So oder so:
Wir vergessen euch nicht.

Freiheit für alle Gefangenen, Feuer für alle Gefängnisse!

Erste Verhandlung im Zusammenhang mit den „Krawallen“:
Donnerstag 2. März
13 Uhr
OLG Linz Saal 61

#linzwirdzuathena

https://de.indymedia.org/node/259735