Frieren? Enteignen? Kämpfen?

Wir werden am Ende des kommenden Winters unsere Gas-/Stromrechnungen nicht mehr zahlen können. Die Meisten von uns verschließen davor die Augen. Werden wir im Kalten sitzen? Es wird keine finanzielle Lösung geben. Man kann nicht würdevoll frieren. Werden wir kämpfen? Jetzt fragen sich alle, wie mit der „Gaskrise“. Umzugehen sei. Uns langweilt schon der Gedanke an all die nutzlosen Demos, die hier und da erdacht werden. Es gibt keine „Gaskrise“. Es gibt auch keine Gasknappheit. Es gibt jetzt einfach für Energiekonzerne die Möglichkeit, mehr Geld für Gas zu verlangen. Der ganz gewöhnliche Kapitalismus wird dazu führen, dass wir frieren werden.

Was nützen Rufe nach Enteignung der Konzerne, wenn dann der Staat den Profit machen wollte? Wollen wir wirklich einen staatskapitalistische Planwirtschaft? Wir denken, kapitalistische Planwirtschaft kann es nur im Paket mit autoritärer Herrschaft geben. Und wenn Staat zu kapitalistischen Akteuren werden, ist Krieg vorprogrammiert. Denn Konkurrenz belebt dann kein Geschäft mehr, sie wird zum Kriegsgrund. Die Forderung nach Enteignung der Energiekonzerne ist verlockend, aber kurzsichtig. Wir denken, sie führt in die falsche Richtung. Zwar wäre bei Staatskonzernen theoretisch mehr gesellschaftliche Kontrolle über das Geschäftsgebaren möglich, aber wir sehen zur Zeit keine gesellschaftlichen Strukturen, die das leisten könne.

Wir haben viele Fragen, aber wenige Antworten.

Vielleicht können diese Antworten aber auch nur aus einer lebendigen Auseinandersetzung kommen; einer von der Straße, nicht aus den Hinterzimmer. Wir brauchen Feuertonnen auf den Straßen und Plätzen an denen sich gewärmt und diskutiert werden kann; von denen Aktionen ausgehen.

>> Für was wird Energie verbraucht? Wie wohnen wir? Was konsumieren wir? Welchen Energieverbrauch legitimieren wir durch Schwiegen?<<

Das Wohnen alleine zu zweit oder in der Kleinfamilien verbraucht mehr Energie, als wenn gemeinschaftlich gewohnt und gelebt würde. Wie wir wohnen, was für Häuser gebaut werden, muss Thema sein.

Viele Energie geht für überflüssigen und hirnrissigen Konsum drauf. Die Produktion dieser Produkte und unser Kaufverhalten muss Thema sein. Unser Mobilitätsverhalten muss Thema sein. Die industrielle Landwirtschaft muss Thema sein. Diese ganze beschissene System und unser korruptes Verhältnis zu ihm muss Thema sein.

Ein Enteignung der Konzerne verbessert nicht die Verhältnisse, wenn nicht gleichzeitig all diese Themen radikal angegangen werden. Wenn jetzt einfach billigere Energie gefordert wird, werden wir uns dem nicht anschließen. Solange nicht in Frage gestellt wird, wofür überhaupt Energie verwendet wird, wird keine emanzipatorische Bewegung entstehen könne. Im Gegenteil: das eine Beharren auf billiger Energie unter kapitalistischen Verhältnissen (auch staatskapitalistischen) zerstört weiter die Biosphäre und manifestiert globale Ausbeutungsverhältnisse. Wir werden auch nicht Teil einer Bewegung werde, deren Protagonist_innen aus ihren gut beheizten allein bewohnten Wohnungen heraus die Armen umgarnen, weil es ansonsten die FPÖ tut.Wir lassen uns nicht zur taktischen Manövriermasse von unterbeschäftigten Bewegungsmanager_innen machen.

Stattdessen rufen wir alle dazu auf, sich in die Diskussionen zu stürzen, gemeinsam mit den vielen Anderen, die nicht wissen, wie sie die Rechnungen bezahlen können. Wir werden uns vielleicht einfach weigern, höhere Energierechnungen zu zahlen und diese öffentlich propagieren. Wir werden vielleicht die Energiefirmen angreifen, die weiter Gewinne abschöpfen…

Nur wenn die Gaspreisproteste als Teil der Klimagerechtigkeitsbewegung gedacht werden und wenn sie gemeinsam mit den tatsächlich Frierenden durchgeführt werden, sehen wir uns als Teil von ihnen. Dass gehandelt werden muss, steht für uns aber außer Zweifel. Auf geht’s.

Alle Jahre wieder

Salzburger Anarchisten wegen Malarbeiten vor Gericht

Am 2. Mai 2021 wurde in Salzburg ein Infostand des RFJ („Ring Freiheitlicher Jugend“) mit Farbe überschüttet. Wir wissen durch eine Akteneinsicht bei den Cops, dass gegen zwei Salzburger Anarchisten ermittelt wird.

Letzte Woche kam dann auch die Ladung zur Gerichtsverhandlung am 05. September 2022. Vorgeworfen wird den beiden Sachbeschädigung. Der eine habe die Nazis „in ein Gespräch verwickelt und abgelenkt“. Er wurde direkt nach der Aktion von den Bullen konrolliert. Der andere soll, „in einem Maleroutfit bekleidet, den Sand eingefärbt habe. Er wird aufgrund von DNA Spuren mit der Tat in Verbindung gebracht.

Egal, wie das Urteil am 5. 9. ausfällt: Die Aktion war gut und die Nazis hätten auf jeden Fall Schlimmeres verdient als einen eingefärbten Infostand.

Unterstützt die beiden Angeklagten und kommt zur Verhandlung am 5. 9. 2022 um 10.15 Bezirksgericht Salzburg, Saal 9.

https://de.indymedia.org/node/217928

Milch = Ausbeutung

Werbekampagnen und Lobbying haben Kuhmilch zu einem Massenprodukt gemacht. Der eben stattgefundene „Tag der Milch“ (01.06.) wurde von der Milchwirtschaft gegründet, um den Verkauf von Milchprodukten zu steigern. Im Fernsehgarten des ORF-Salzburg, wurde eingeladen den „Tag der Milch“ bei einem „Frühstück in Weiß“ zu feiern. Kritische Fragen waren bei dieser staatlich finanzierten Milch-Werbeveranstaltung nicht zu finden.

Milch ist ekelhaft, nicht nur, weil es absurd und ungesund ist, die Muttermilch von einem anderen Säugetier zu trinken. Es ist ekelhaft, dass Kühe jedes Jahr zwangsbefruchtet werden. Es ist ekelhaft, dass sie nach 9 Monaten ein Kalb zu gebären, von dem sie dann wenige Stunden nach der Geburt getrennt werden. Es ist ekelhaft, dass die weiblichen Kälber dasselbe traurige Schicksal bevorsteht und die männlichen Kälber zur Kälbermast kommen, oder weil es zu viele für den österreichischen Bedarf sind, lebend in andere Länder transportiert werden.

Milch ist Ausbeutung und kein harmloses „Lebensmittel“. Und das war auch die Botschaft, die direkt gegenüber des ORF-Landesstudios zu lesen war.

Wir finden es wichtig, Ausbeutung von nichtmenschlichen Tieren nicht getrennt von anderen Formen der Ausbeutung zu sehen. Verschiedene Hierarchien hängen zusammen und ermöglichen die Herrschaft einer Gruppe (ob menschlich oder nichtmenschlich) aufgrund der Herrschaft über alle anderen. Das heißt, dass Tierbefreiung nur funktionieren kann, wenn sie mit anderen Befreiungskämpfen (wie z. B. der Kampf gegen Patriarchat oder Umweltzerstörung) kombiniert wird. Solange Hierarchien bestehen, wird es immer neue Formen von Ausbeutung geben.

Tiere fühlen, Tiere leiden,
versuche Tiermilch zu vermeiden!

Oder um es ehrlich auszudrücken: Erstickt an eurem Milchkonsum!

Aus https://emrawi.org/?Milch-Ausbeutung-2194

Hausbesetzung in Salzburg

Am Samstag den 14.5. wurde das Haus in der Franz-Joseph-Straße 25a besetzt.

In einem Statement schreiben die Aktivist_innen:

„Wir habe beschlossen das Haus in der Franz-Joseph-Straße 25a dieses Wochenende für die Allgemeinheit zu besetzten! In dem ansonsten mindestens seit 1 Jahr leerstenden Gebäude wollen wir einen Ausgangspunkt schaffen, für Austausch, Diskussion und die Suche nach gemeinsamen Handlungsmöglichkeiten in unserer krisenhaften Gesellschaft“

Es wurden an den Nachbar_innen Zetteln ausgeteilt. Es gab Essen und Redebeiträge.

 

Laut Grundbuch gehört das Haus den Marcel Hirscher und auch ein in der nähe befindliches Haus ist in seinem Besitzt. Was er wohl mit soviel Häuser machen will, können wir uns alle denken. Die Häuser umzubauen und überteuerte Mieten zu verlangen.

Am Nachmittag wurde die Besetzung aufgelöst.

„Das kotzt uns an! Wir wollen nicht in einem Freizeitpark für Touris leben, sondern in einer Stadt für alle.“

Lasst uns gemeinsam für das schöne Leben kämpfen!

 

Das FLINTAstische Disko-Kollektiv stellt sich vor

Hey flintas,
Am 20. Mai ist es soweit:
Die FLINTAstische Disko startet endlich. Wir öffnen unsere Türen für Frauen, Lesben, Inter-, Nonbinary-, Trans- und Agender-Personen und laden ein zum gemeinsamen FEMINISMUS ABFEIERN.

3G.

Wenn ihr euch unwohl fühlt oder wenn etwas unangenehmes passiert, sagt uns an der Bar bescheid!

Erster Termin: Freitag 20. Mai, ab 19.00 Uhr im Atelier in der Elisabethstrasse 11. Es gibt Cocktails und Mocktails und Paaaarty.

Ab sofort jeden 3. Freitag im Monat im Atelier

ZAPPZARAPP WANTS YOU

Hello!
Da wir momentan nur sehr wenige Mitglieds-Menschen sind, suchen wir, das Zappzarapp-Kollektiv nach Unterstützung in unserer anarchistischen Bar.
Die letzten Monate waren sehr anstrengend für uns, viel Arbeit floss in Umbau und Organisation. Nun wollen wir chillig in den normalen „Betrieb“ übergehen und freuen uns auf die Hilfe von coolen Menschen!
1x wöchentlich am Mittwoch haben wir küfa und Cocktail-Abend, starten tut das ganze ab 18:30 Uhr, auch veranstalten wir Konzerte und haben in Zukunft auch Workshops/Vorträge geplant!
Plenum ist jeden Donnerstag ab 17 Uhr, falls jemensch Bock hat, kommt gerne vorbei

Bericht und Eindrücke zur 8. März Demo 2022

Auch dieses Jahr fand in Salzburg am 08. März, dem feministischen Kampftag, wieder eine Demonstration statt. Teilgenommen haben ca. 150 bis 200 FLINTAs, die gemeinsam kämpferisch durch die Stadt zogen.

Da die Veranstaltung als Safespace für Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, nicht binäre und trans Personen („FLINTAs“) diente, waren cis Männer nicht eingeladen.

Der Treffpunkt war, wie schon in den letzten Jahren, die Neue Mitte Lehen, wo wir uns einen Beitrag zum 8. März in leichter Sprache anhörten, über die Rechtshilfe informiert wurden und schon zum ersten Mal lautstark klargemacht haben, dass unsere Veranstaltung FLINTA ONLY ist. Es gab unterschiedliche Schilder und Transpis, die wir uns schnappten, einen Block bildeten und voller Energie zur Lehner Brücke zogen, um dort die erste Pause zu machen, um uns zu einem feministischen Reggaeton Song tanzend die Straße anzueignen. Den ersten Stau haben wir damit auf jeden Fall ausgelöst! Weiter ging es in die Plainstraße, in der sich die Praxis des extrem-fundamentalistischen Psychotherapeuten, Johannes Josef Bucher, befindet. Direkt vor der Eingangstür machten wir abermals Halt, wurden über seine menschenverachtende Politik und die Organisation Human Life International informiert, in der Bucher aktiv ist. Gegen jede Art von Abtreibung, gegen jegliche Verhütung, gegen safer sex und katholisch fundamentalistisch, gar keine Toleranz für sowas. Wir sangen dem Bucher einige der zu Pro Choice Liedern umgeschriebenen Kirchensongs vor und machten mal wieder klar: „Hätt‘ Maria abgetrieben, wärt ihr uns erspart geblieben!“. Gute Nacht, Herr Bucher. Spontan erzählte uns an dieser Stelle Christine Nagl von einer damals illegalen Abtreibungsklinik, die sich in derselben Straße befand. Am Hauptbahnhof wurden sehr bedrückende Themen angesprochen. 31 FLINTAs verloren 2021 ihr Leben wegen patriarchaler Gewalt und weitere 63 waren, laut Autonomen österreichischen Frauenhäusern, schwerer Gewalt oder Mordversuchen ausgesetzt. Alle diese gelungenen und versuchten Femizide erfolgten durch (Ex-)Partner, Familienmitglieder oder männlich gelesenen Personen im nahen Umfeld der Opfer. Außerdem gab es einen Beitrag der Antira Salzburg zu der Situation in der Ukraine und inwiefern der Krieg FLINTAs betrifft. Nach diesen zwei Themen zogen wir gemeinsam, teilweise Arm in Arm, bedrückt, traurig aber auch vor allem wütend weiter am Kiesel vorbei, laut Parolen schreiend. Und doch drehten wir die Musik am Max-Ott-Platz, oder besser bekannt als der „8. März Kreisel“ wieder volle Kanne auf und tanzten ein paar Extrarunden. Der Bus- und Autostau zog sich bis zum Hauptbahnhof! Kurz darauf stießen wir zum Mirabellplatz, wo uns Christine Nagl über Sexarbeit in Österreich informierte. Weiter ging es zum Platzl, wo es letztendlich einen Redebeitrag zu Burschenschaften und Antifeminismus in Österreich gab und ein wunderbares anarchafeministsiches Konzert mit einer Ziehharmonika und Stimme. Eigentlich wollten wir noch viel weiterziehen, über die Staatsbrücke, dem Rudolskai an der Salzach entlang, hin zum Mozartplatz, um schlielich am alten Markt unsere Schlusskundgebung zu machen. Doch wir waren alle so erschöpft und ausgepowert von dieser unglaublich lauten, kämpferischen, wütenden, freudigen und tanzenden Demo, dass wir uns gemeinsam entschieden, hier zu enden. Sich zu überschätzen, gehört auch dazu! Also hörten wir uns den letzten Beitrag an, eine empowernde Botschaft, unseren Feminismus intersektional zu gestalten, ein Aufruf dazu, die eigenen Privilegien zu reflektieren und unseren mehrfach diskriminierten Freund*innen zuzuhören und Platz zu geben. Wir tanzten eine letzte Runde und zogen gemeinsam ins SUB, um den Abend dort ausklingen zu lassen.

Auch heuer störten cis Männer immer wieder die Demonstration, jedoch schafften wir es gemeinsam mit dem Awareness Team gröbere Auseinandersetzungen zu verhindern.

https://8maerzsalzburg.noblogs.org/

ANGRIFF AUF QUEERFEMINISTISCHES SQUAT SYRENA IN WARSCHAU

Am Sonntag, 12.12.21,wurde das queerfeministische Hausprojekt SYRENA in Warschau von „linken“ Mackern aus dem Nachbarprojekt brutal geräumt, viele Queers wurden verprügelt und verletzt und verloren ihr Zuhause.

Wir solidarisieren uns mit dem Kollektiv SYRENA!

Patriarchale Gewalt beenden!

Hier ein ausführlicher Text zu dem Angriff (Quelle: https://kontrapolis.info/5751/):

***English statement of Syrena below***

Syrena ist ein queer-feministisches Kollektiv, das vor 10 Jahren ein Haus im Stadtzentrum von Warschau besetzt hat. Przychodnia ist ein Squat, das vor 8 Jahren besetzt wurde. Obwohl beide Squats gleich nebeneinander liegen (sie teilen sich einen Zaun zu den Höfen), sind es unterschiedliche Kollektive – sie unterscheiden sich vor allem politisch.
Am Sonntag den 28.11 nach einem langen Prozess sollte eine gewalttätige cis-männliche Person das Syrena Kollektiv (und auch das Haus) verlassen. Eine Woche spater war er noch da. Der Versuch diese Person rauszuwerfem hat am 05.12. zu einem Angriff von Przychodnia auf die Syrena geführt. Nach dem Angriff wurden alle nicht cis-männliche Personen hinausgezerrt und brutal zwangsgeräumt. Es gibt Verletzte, dutzende Leute sind obdachlos geworden und zahlreiche feministische und migrantische Initiativen haben ihre Räume verloren.

Hintergrund

Syrena ist ein Kollektiv, das sich nach Besetzung eines Hauses vor 10 Jahren im Zentrum von Warschau gegründet hat. Syrena hat sich vor allem auf radikal-linke politische Kämpfe konzentriert. Zahlreiche Kampagnen und Gruppen haben sich in Syrena gegründet, noch mehr haben diese Räume täglich genutzt und auch der Einfluss des Kollektives auf die lokale Politik ist nicht zu unterschätzen. Syrena hat immer eng mit mit dem Warschauer Mieter*innenbündnis (WSL) gearbeitet. Mehrere Zwangsräumungen wurden in Zusammenarbeit verhindert. Mehrere zwangsgeräumte und geflüchtete Personen haben in der Syrena eine Notwohnung gefunden. Das Kollektiv hat sich nicht nur auf das Soziale konzentriert – in den letzten Jahren, nach einem Anstieg der Diskriminierungen für nicht-cis-männliche Personen, haben sehr viele feministische, queer und Sexwork – Gruppen die Räume genutzt und sind bei Syrena unterstützt worden.

Przychodnia ist ein Kollektiv, das sich nach der Besetzung der ehemaligen Ärztehauses gegründet hat, welches neben der Syrena liegt. Zum heutigen Zeitpunkt sind die Mehrheit der Bewohner*innen Geflüchtete aus Weissrussland. Das Kollektiv konzentriert sich auf Punk-Konzerte. Ein paar Mitglieder des Kollektivs sind Teil der Anarchosyndikalstischen Gewerkschaft (IP) und die Mitglieder*innen des Kollektives nehmen an Kundgebungen teil. Das Kollektiv ist auch ganz nah mit Rozbrat – ein anarchistisches, sehr aktives und wichtiges Kollektiv aus Posen – verbunden. In 2015 hat Rozbrat für eine Erstattung von einem Immobilienkonzern , ein anderen Kollektiv (Odzysk) gezwungen ein besetztes Haus in Zentrum von Posen zu verlassen.

2018 hat Syrena bei einer Gewaltsituation auf einer Party in Przychodnia interveniert und einen kollektiven Prozess gefordert, bei dem Przychodnia den Täter rauswerfen soll. Ein Konflikt zwischen beide Squats ist daraufhin entstanden.

Syrena hatte ein Problem mit einem cis-männlichen Mitbewohner. Er ist ein politischer Gefangener aus Weissrussland der vor paar Jahren nach Polen gekommen ist. Er war in seinem Zuhause (Syrena) auf mehrere Weisen gewalttätig. Es gab mehrere Fälle von Sexismus, Homofeindlichkeit, Transfobia und Gewalt von seiner Seite – im August hat er ein anderen Mitbewohner gegen den Kopf gekickt und einen weiteren Mitbewohner massiv unter Druck gesetzt. Eine längere Mediation und der Versuch eines Einigungsprozesses wurde von dieser Person einfach ignoriert – auch das Angebot ihm bei der Wohnungsuche zu helfen wurde von ihm abgelehnt. Zwischendurch hat diese Person Freundschaften in Przychodnia geknüpft und innerhalb der Syrena noch schlimmeres transfeindliches und gewalttätiges Verhalten gezeigt. Mehrere nicht-cismännliche, gefluchtete Personen mussten Syrena verlassen um diese einzelne Person zu meiden. Nach einem Jahr von ineffektivem Prozess wurde die Entscheidung getroffen diese Person aus dem Kollektiv zu entfernen.

Bereits eine Woche vor dem Sonntag den 05.12 wurde ihm mitgeteilt das er ausziehen soll. Eine Woche später ware er aber noch immer da. Am Sonntag wurde Ihm dann wiederholt gesagt, dass er sofort ausziehen soll. Er hat mit Gewalt reagiert und eine weibliche Person gegen den Kopf geschlagen. Er wurde dann mitgenommen und auf die Strasse gebracht.

Angriff
Das Przychodnia Kollektiv hat daraufhin von der Syrena gefordert die gewaltätige Person wieder aufzunehmen. Syrena war damit nicht einverstanden und Przychodnia hat daraufhin die Syrena angegriffen – das Haus und die Leute drinnen wurden mit Steine, Stöcken und Flaschen attackiert. Viele Scheiben sind zerbrochen und durch die zerbrochenen Fensterscheiben sind Feuerwerkskoerper geworfen worden und es wurde Pfefferspray reingesprüht.

Ein paar Personen sind verletzt – eine musste mit einem gebrochenen Schädel behandelt werden. Das Gebäude wurde mit Axt und Flex gestürmt. Trotz der Verteidigungsversuche musste das Syrena Kollektiv nach 4 Stunden Kampf durch das Dach flüchten. An dem Tag sind alle nicht cis-männlichen Personen aus dem Haus verdrängt worden. Ungefähr 12 Personen sind obdachlos geworden – und das sind genau die Syrena Bewohner*innen, die auch politisch aktiv waren. Insgesamt aus ganzer Kollektiv nur 4 Leute sind drinnen geblieben, und zwar nur diese, die mit gewaltätige Person sympatisiert haben.

Nachfolgen

Nach dem Angriff am Sonntag hat ein wichtiges, feministisches Kollektiv sein Haus verloren. Ein Haus, das dieses Kollektiv nicht nur vor 10 Jahre selbst besetzt hat, sondern auch die letzten 10 Jahre gegen Nazis, Polizei und Immobilienspekulanten erfolgreich verteidigt hat. In Zeiten der immensen Angriffe auf Frauen und LGBT Rechte (die polnische Regierung hat in diesen Jahr Abtreibung verboten, viele weitere diskriminierende Beschlüsse eingeführt, und fürht ständige Angriffe in
Medien gegen FLINTA Personen) sind mit diesem Angriff mehrere feministische Initiativen von ihren Räumlichkeiten und Mitteln durch cis-Männer verdrängt.

Mehrere Gruppen haben ihre Unterstützung zur Syrena deklariert und Erklärungen veröffentlicht die diese Gewalt verurteilen. Die Liste der Betroffenen und sich solidarisierenden Menschen und Gruppen ist lang und findet sich am Ende des Dokuments.

Nur einige Gruppen haben den Angriff auf ihren Sozialen Medien verteidigt, daran auch Rozbrat. Das Warschauer Mieter*innenbündnis (WSL) hat dazu veröffentlicht das sie das Gebäude jetzt übernehmen und geplannt haben es an den Stadt zu übergeben.

Ein Konflikt, der seinen Ursprung in einer Diskussion über den Umgang mit (sexualisierter) Gewalt in Kollektivzusammenhängen hat, ist am Sonntag in einen Angriff von cis-Männern auf mehrere feministische Kollektive eskaliert. Das war ein typischer anti-feministischer Backlash.

Gruppen die sich mit Syrena solidarisieren:

-Aborcyjny Dream Team

https://pl-pl.facebook.com/aborcyjnydreamteam/

-Codziennik Feministyczny

http://codziennikfeministyczny.pl/

-Warszawska formacja Anarchistyczna

-Sex Work Polska

-Sklot Samowolka

-Sambrokato

-Porozumienie Kobiet 8 Marca

-NBF Nowy Byt Feministycznby

-Kolektyw Dzien Po

-Grupa Niesutajacej Pomocy

-Feministyczna Organizacja Rewolucjnego Klikania

-ABC Belarus
​​​​​​​https://www.facebook.com/abc.belarus/photos/a.425531510920092/2394670607339496

-Food Not Bombs Poznan

https://www.facebook.com/jedzeniezamiastbombpoznan/

-Manifa Warszawa

https://www.facebook.com/manifawarszawa/

-Antifa Lublin

https://www.facebook.com/antifalublin/

-Kolektyw Wilczyce

https://www.facebook.com/kolektyw.wilczyce/

-L6, Vilnus

https://www.facebook.com/profile.php?id=100064714601791

-Anarchistyczny Czarny Krzyz

https://www.facebook.com/anarchistyczny.czarny.krzyz/

*** ENGLISH Statement of the Collective***

Once again a macho squat attacked the queer-feminist community. Today’s attack is a
part of patriarchal abuse that we experience everyday living in Poland. Cis-het man
not able to control their anger deprived queer-feminist people of their home, and
many collectives of a space for grassroots political activism.

The escalating situation of domestic abuse in Syrena collective has been going on
for some time now. This abuse consisted of verbal threats, knife threats,
transphobia, misogyny, kicking one of the locators and choking another. We couldn’t
stand it anymore. Collective tried to solve the situation numerous times –
mediations, meetings lasting many hours. Dima boicotted, sabotaged, disrupted or
refused to partake in them. We had enough. We didn’t want to be victims anymore.
Freedom from physical abuse in one’s home is not an exorbitant expectation nor
someting to be negotiated – we have a right to feel safe there. We didn’t want to
passively witness Dima’s violence towards members of the collective. We reacted to
it by removing him from the building. It is not a relationship of power resembling
the one between the landlord and the locator, but rather a form of self defense.
This situation was going on for several months. During this time Dima threatened us
with a knife, pepper spray and physical violence numerous times. We can’t allow
constant violation of our sense of safety and wellbeing.

In the middle of October the community collective decided that the abuser has to
leave the squat. On 21st of November Dima was informed about this decision and given
a week to move out. The deadline passed a week ago – on November 28th. Today (on 5th
of December) the community collective went to talk to him. To avoid escalation of
tension, it was a group of four people – the negotiation group. It was formed of
people who lived in Syrena for many years, but most of them didn’t partake in the
ongoing conflict. We’ve been already aware of mechanism of Dima’s behaviours and his
tendency towards agression. So to secure the proccess, there were also a lot of
people from Syrena community collective present at the location.

From the beginning Dima was confrontational. The negotiation group asked him to keep
calm. Dima was pushing and attacting the people who were trying to calm him down.
Then he punched one person in the face with his elbow. She fell down, hitting her
head. It was Amel Mana, who lived in Syrena for 10 years, daughter of migrants and
an ex-political prisoner. Dima kept throwing threaths at us, such as „this night
will end badly for you“.

In the case of physical violence on Dima’s part, people from community collective
removed him from the building by force. He was not in any way harmed. Within two
minutes he was given shoes and a winter coat. His things were packed. It was the
very first time that Dima was physically removed from the building. He was
previously warned that such actions will be taken if necessary.

An hour later Przychodnia squat attacked Syrena squat. Attackers threw glass
bottles, bricks and firecrackers at the people in the backyard and at the building.
Then they cut through the fence, entered Syrena territory and continued their attack.
They smashed the windows, threw pepper spray, bricks, firecrackers and glass bottles
inside. They tried to force through the door using a diax, axes and crowbars. When
they entered the building, the inhabitants of Syrena and people from the community
collective withdrew, fearing for their lives and health. It’s worth mentioning that
these were predominantly queer people and women. Attackers on the contrary were
mostly cis-men who couldn’t control their anger.

Resulting in Przychodnia squat’s attack, no queer people nor women live in Syrena
now, over a dozen of activists lost their home and many communities – their space of
actvism. All people have an emergency accomodation. Injured people (some of have
body injuries, including fractured scull) are under medical care.

The attackers claim, that thay acted in defense of their colleague who was harmed
(Dima), who they say is a political refugee and a leader of belarussian community in
Warsaw. The reason for moving him out were his numerous abusive behaviours, not his
migrant status.

It was not the people who were thrown out of Syrena today, but rather Syrena was
thrown out of its home. Syrena isn’t a building at Wilcza 30, but a political
project – feminist, queer, anarchist. Neither sexist, queerphobic behaviours nor
forcibly taking over a space (either physical or mataphorical) by cis-men not able
to control their anger won’t be accepted.

Syrena Community Collective

Zum Umgang mit sexualisierter Gewalt in der Szene

Wir veröffentlichen diesen Text zur Dokumentation.

Inhaltswarnung: Unkonkrete Erwähnungen von sexualisierter Gewalt, konkrete Erwähnungen von unsolidarischem Verhalten danach

Ich schreibe als eine der Betroffenen in einer Salzburger Defma-G’schicht um einen übergriffigen Typen, in diesem Text anonymisiert als X. Es gibt in dem Fall mehrere Betroffene und ich spreche hier für mich selbst – meine Wahrnehmung müssen nicht unbedingt mit den Wahrnehmungen anderer Betroffener deckungsgleich sein.

Ein Teil der Motivation für diesen Text ist sicher Psychohygiene und der Wunsch (soweit sowas geht) doch irgendwie für mich damit abzuschließen, weil ich immer wieder merke, wie sehr die Sache noch in mir brodelt – und das ist nicht mein privates, individuelles Problem und auch kein Zufall, sondern etwas politisches, und darum möchte ich auch meine Perspektive vermitteln. Ich weiß nicht genau, welche Erzählungen es dazu in Salzburg alles gibt und durch die Veröffentlichung dieses Textes will ich mir auch die Erzählerinnenrolle nehmen, vielleicht ein paar Dinge klar stellen, in gewisser Weise ein Resümee ziehen. Außerdem hoffe ich auch immer ein bisschen, dass Erzählungen und Erfahrungen von Übergriffen und dem Umgang damit Erkenntnisse für die Zukunft bringen können, damit sich an der ganzen Scheiße auch mal was ändert. Denn: Gewalt gibt’s auch „bei uns“ und wie wir gemeinsam damit umgehen geht alle was an. Punkt.

Zur Einordnung für Außenstehende und Leute, die beim Aufkommen der Auseinandersetzung vielleicht noch nicht in der Salzburger Szene involviert waren: Grob geht es um X, der in Salzburg in der linksradikalen Szene aktiv war und dort mehrfach als sexualisiert übergriffig aufgefallen ist. Nachdem sich im Frühling 2019 Betroffene zusammen geschlossen und sich eine Unterstützer_innengruppe geformt hat*, wurde relativ schnell die Forderung erfüllt, X aus den Szene-Räumen und Polit-Gruppen auszuschließen. Außerdem hat sich eine Gruppe gebildet, die mit X einen Täterprozess begonnen hat. Diese hat sich, zusammen mit der Unterstützer_innengruppe, wieder aufgelöst, da der Prozess nicht zielführend war und es ein zu großes Umfeld um X gegeben hat, das sich unkritisch weiter mit ihm getroffen hat.

Ich beginne mit den positiven Punkten zur Auseinandersetzung. Als bereichernd hab ich den Zusammenschluss mit anderen Betroffenen empfunden und ich bewundere sie für den Mut, den Austausch initiiert zu haben. Ohne sie wär in meinem Kopf vielleicht nie der Schalter umgelegt worden, die Sache zwischen X und mir richtig einordnen zu können. Und von einem recht großen Teil der Szene hab ich den Umgang auch als sehr solidarisch und unterstützend empfunden – man merkt, dass Leute viel gelernt und sich mit dem Thema beschäftigt haben.

Gar nicht mitbekommen hab ich offensiven Täterschutz à la „Aber er ist doch ein cooler Typ“ oder „Was die erzählen stimmt gar nicht“. Ob das daran liegt, dass es sich in der Salzburger Szene nicht „schickt“, offen ein Arschloch zu sein, ob ich mit diesen Leuten einfach nicht geredet hab, ob es sie nicht gibt, das sei mal dahin gestellt. Tatsächlich ist es aber leider so, dass es nicht reicht, übergriffige Typen nicht offensiv zu verteidigen.

Das ist auch schon mein größter Punkt, den ich kommunizieren möchte: Es ist furchtbar und einer linken Einstellung eigentlich unwürdig, dass einige Leute die Forderungen quasi vertraglich behandelt haben – wenn man sich ein paar Meter entfernt vom Szene-Ort mit X trifft, dann sind ja trotzdem alle Forderungen erfüllt und man hat sich nichts zu Schulden kommen lassen. Es scheint egal, dass so etwas trotzdem Signale sendet und Auswirkungen hat, sowohl auf Szenedynamiken als auch auf X. So sieht keine solidarische Auseinandersetzung aus, sondern das Suchen des leichtesten Wegs, um sich nicht damit beschäftigen zu müssen, dass ein Freund und Genosse Täter ist, ohne Ärger zu provozieren. Dass Leuten dabei wohl doch irgendwie bewusst war, dass diese Treffen nicht das Gelbe vom Ei sind und sie es aus schlechtem Gewissen zum Teil heimlich gemacht haben, hilft auch nicht. Ich möchte unterstreichen, dass es keine Forderung gab, das eigene Hirn nicht mehr zu benutzen. Das ist auch kein Aufruf dazu, zu Tätern im eigenen Umfeld unbedingt komplett den Kontakt abzubrechen, wenn das nicht von Betroffenen gefordert wird – ein paar mehr kritische Nachfragen bei X hätten sicher gut getan.

Was mich an der ganzen Sache traurig macht ist auch, dass ich den Prozess danach als vielfach belastender empfinde als den Vorfall an sich. In der linken Szene in Salzburg hab ich mich mal mehr, mal weniger wohl und zugehörig gefühlt, aber immer ziemlich sicher. In dieser Wahrnehmung gab es für mich durch die ganze Auseinandersetzung einen riesigen Bruch und mir ist einiges an Vertrauen verloren gegangen. Mit vielen Leuten, die mir wichtig sind oder waren, hab ich einzeln das Gespräch gesucht, mit vielen nicht mehr – aus Mangel an Energie und zum Teil auch aus Angst, noch weiter von einem solidarisch geglaubten Umfeld enttäuscht zu werden. Rational hab ich nie bereut, die Auseinandersetzung mit angestoßen zu haben, aber emotional hab ich mich doch öfter gefragt, ob es das wert war, mich so schwach fühlen zu müssen gegenüber dem unsolidarischen Verhalten vieler Leute, denen ich eine feministischere Haltung zugetraut hätte.

Ich hab mit mir gerungen, wie öffentlich ich diesen Text machen will und mich jetzt für eine sehr öffentliche Verbreitung entschieden, der Zugänglichkeit halber. Ihr könnt den Text auch weiter verbreiten, falls es sinnvoll erscheint. Falls es noch was wichtiges gibt, könnt ihr an graugraugrau +at+ systemli +punkt+ org schreiben. Vielleicht antworte ich, vielleicht nicht.

* Um Verwechslungen auszuschließen: 2019 wurden in Salzburg sexualisierte Übergriffe durch zwei Typen (halb-)öffentlich gemacht. Hier geht’s um die zeitlich erste Veröffentlichung.
Die Forderungen waren konkret, X Hausverbot in den bekannten Szene-Räumlichkeiten zu geben, ihn aus Polit-Gruppen auszuschließen, dass diese Gruppen dies öffentlich machen und ansprechbar für weitere Betroffene sind, dass von ihm erstmal kein Alkohol und co. mehr konsumiert wird und dass er einen Täterprozess startet.

Dezember 2021